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4 Mythen über die LGBTQ+ Community

28.08.2025Gabriele Natali

Am 30. August findet in St. Gallen die zweite Pride-Demonstration statt. Das Motto: «Liebe kennt keine Grenzen, Vielfalt keine Mauern». Passend zum Anlass wollen wir über Mythen aufklären, welche in unserer Gesellschaft immer noch über die LGBTQ+ Community existieren. 

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1. Homosexualität ist anerzogen und darum veränderbar

Diese Behauptung ist natürlich falsch. Homosexualität ist nicht etwas, was erzogen wird, sondern eine natürliche, angeborene Eigenschaft, welche vergleichbar ist mit etwa der Augenfarbe. Sowohl Erziehung als auch sogenannte „Umerziehungen“ in Form von Konversionstherapien können die sexuelle Orientierung nicht verändern und Traumata bei den Personen verursachen. Eine Studie des US-amerikanischen Psycholog:innenverbandes aus dem Jahr 2007, in der 83 Einzelstudien ausgewertet wurden, hat gezeigt, dass solche Umerziehungsversuche nicht nur wirkungslos bleiben, sondern den Betroffenen erheblichen Schaden zufügen, etwa in Form von Depressionen oder erhöhter Suizidalität. 

2. Transidentität ist nur ein Trend

Die Vorstellung, Transidentität sei lediglich ein Trend, entspricht nicht den Fakten. Zum einen ist Transidentität weder ein neues noch ein ausschliesslich westliches Phänomen. Zahlreiche Hinweise aus der menschlichen Geschichte belegen, dass es transidente Menschen bereits seit Jahrhunderten in unterschiedlichen Kulturen weltweit gegeben hat. Dass heute mehr Menschen offen mit ihrer Geschlechtsidentität umgehen, ist in erster Linie auf ein offeneres gesellschaftliches Klima zurückzuführen. Die ernsthaftere, weniger skandalisierende Berichterstattung in den Medien trägt dazu bei, dass die öffentliche Wahrnehmung positiver ist und Coming-outs erleichtert werden.

Auch die Wissenschaft zeigt, dass Transidentität nichts mit einem Trend zu tun hat. Schon während der Schwangerschaft beeinflusst die Ausschüttung von Hormonen, wie sich Körper und Gehirn entwickeln. Je nachdem, wann diese Hormone wirken oder ausbleiben, kann ein Kind cis-weiblich, cis-männlich, trans-weiblich oder trans-männlich sein. Das macht deutlich: Transidentität ist ein natürlicher Teil menschlicher Vielfalt und keine Modeerscheinung. Expert:innen auf dem Gebiet bezeichnen Transidentität längst als Normvariante.

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Bild: Unsplash

3. Kindern von gleichgeschlechtlichen Eltern geht es schlechter

Die Behauptung, Kindern von gleichgeschlechtlichen Eltern gehe es schlechter, ist wissenschaftlich gut widerlegt. Seit rund 45 Jahren wird intensiv erforscht, wie es Kindern ergeht, die mit zwei Vätern oder zwei Müttern aufwachsen, und die Ergebnisse sind eindeutig: Es gibt keine Unterschiede im Vergleich zu Kindern heterosexueller Eltern, weder in Bezug auf schulische Laufbahnen noch auf Freundschaften, Beziehungen oder die Entwicklung einer eigenen Identität. Entscheidend für das Wohlergehen der Kinder ist nach übereinstimmender Forschungslage vielmehr die Qualität der Beziehung zwischen Eltern und Kind sowie das familiäre Klima. Zwar erlebt etwa die Hälfte der Kinder aus Regenbogenfamilien Stigmatisierung oder Diskriminierung, doch sie zeigen in der Regel überdurchschnittlich gute Bewältigungsstrategien. Zudem machen Studien deutlich, dass scheinbare Gründe für Mobbing von aussen beliebig gewählt werden: Kinder werden nicht gemobbt, weil sie zwei Mütter oder zwei Väter haben, sondern weil Mobber:innen grundsätzlich Gründe suchen, um andere auszugrenzen.

4. 80 % junger Transmenschen ändern ihre Meinung im Erwachsenenalter

Die oft wiederholte Behauptung, 80 % junger trans Menschen würden ihre Meinung im Erwachsenenalter ändern, beruht auf Missverständnissen. Grundlage sind alte Studien aus den 1970er- und 1980er-Jahren, in denen Kinder vorschnell als „trans“ eingestuft wurden, nur weil sie Kleidung, Spiele oder Freundschaften bevorzugten, die nicht den damaligen Geschlechterstereotypen entsprachen. Tatsächlich waren diese Kinder gar nicht trans, sondern entsprachen einfach nicht dem Stereotyp. Die Annahme, junge trans Menschen „umentscheiden“ sich massenhaft, ist deshalb wissenschaftlich falsch.

Auch das Phänomen der „Detransition“ wird oft verzerrt dargestellt. Eine grosse US-Studie von 2015 zeigte zwar, dass eine kleine Minderheit von Menschen ihre Transition abbrach oder umkehrte. 82 % nannten dafür aber äussere Gründe wie familiären Druck oder gesellschaftliche Ablehnung. Nur sehr wenige änderten ihre Transition aus Gründen der eigenen Identität.

Das zeigt klar: Der sogenannte „80 %-Mythos“ ist irreführend. Transidentität verschwindet nicht einfach. Entscheidend ist vielmehr, ob das Umfeld akzeptierend oder ablehnend ist. Geschlechtsidentität ist somit wie die sexuelle Orientierung eine angeborene Eigenschaft, die weder verändert werden kann noch muss. 

Hast du Fragen oder Anregungen zum Thema? Melde dich gerne bei uns.

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